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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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keit, zufolge deren das Wirkliche, das Bestehende nureinen geringen Eindruck macht; man wird im Ausser-lichen zuletzt immer lässlicher und bequemer und er-weitert die bedenkliche Kluft zwischen Inhalt und Formbis zur Gefühllosigkeit für die Barbarei, wenn nur dasGedächtniss immer von Neuem gereizt wird, wenn nurimmer neue wissenswürdige Dinge hinzuströmen, diesäuberlich in den Kästen jenes Gedächtnisses aufgestelltwerden können. Die Cultur eines Volkes als der Gegen-satz jener Barbarei ist einmal, wie ich meine, mit einigemRechte, als Einheit des künstlerischen Stiles in allenLebensäusserungen eines Volkes bezeichnet worden; dieseBezeichnung darf nicht dahin missverstanden werden, alsob es sich um den Gegensatz von Barbarei und schönemStile handle; das Volk, dem man eine Cultur zuspricht,soll nur in aller Wirklichkeit etwas lebendig Eines seinund nicht so elend in Inneres und Äusseres, in Inhaltund Form auseinanderfallen. Wer die Cultur eines Volkeserstreben und fördern will, der erstrebe und fördere diesehöhere Einheit und arbeite mit an der Vernichtung dermodernen Gebildetheit zu Gunsten einer wahren Bildung,er wage es, darüber nachzudenken, wie die durch Historiegestörte Gesundheit eines Volkes wiederhergestellt wer-den, wie es seine Instincte und damit seine Ehrlichkeitwiederfinden könne.

Ich will nur geradezu von uns Deutschen der Gegen-wart reden, die wir mehr als ein anderes Volk an jenerSchwäche der Persönlichkeit und an dem Widerspruchevon Inhalt und Form zu leiden haben. Die Form giltuns Deutschen gemeinhin als eine Convention, als Ver-kleidung und Verstellung und wird deshalb, wenn nichtgehasst, so doch jedenfalls nicht geliebt; noch richtigerwürde es sein zu sagen, dass wir eine ausserordentliche