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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
Entstehung
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Historie Wissenschaft sein soll. Jetzt regiertnicht mehr allein das Leben und bändigt das Wissenum die Vergangenheit: sondern alle Grenzpfähle sindumgerissen und alles, was einmal war, stürzt auf denMenschen zu. So weit zurück es ein Werden gab, soweitzurück, ins Unendliche hinein sind auch alle Perspectivenverschoben. Ein solches unüberschaubares Schauspiel sahnoch kein Geschlecht, wie es jetzt die Wissenschaft desuniversalen Werdens, die Historie, zeigt: freilich aberzeigt sie es mit der gefährlichen Kühnheit ihres Wahl-spruches: fiat verttas pereat vita.

Machen wir uns jetzt ein Bild von dem geistigenVorgänge, der hierdurch in der Seele des modernenMenschen herbeigeführt wird. Das historische Wissenströmt aus unversieglichen Quellen immer von Neuemhinzu und hinein, das Fremde und Zusammenhangslosedrängt sich, das Gedächtniss öffnet alle seine Thore undist doch nicht weit genug geöffnet, die Natur bemühtsich aufs Höchste, diese fremden Gäste zu empfangen,zu ordnen und zu ehren, diese selbst aber sind im Kampfemit einander, und es scheint nöthig, sie alle zu bezwingenund zu bewältigen, um nicht selbst an ihrem Kampfe zuGrunde zu gehen. Die Gewöhnung an ein solches un-ordentliches, stürmisches und kämpfendes Hauswesenwird allmählich zu einer zweiten Natur, ob es gleichausser Frage steht, dass diese zweite Natur viel schwächer,viel ruheloser und durch und durch ungesünder ist alsdie erste. Der moderne Mensch schleppt zuletzt eineungeheure Menge von unverdaulichen Wissenssteinen mitsich herum, die dann bei Gelegenheit auch ordentlich imLeibe rumpeln, wie es im Märchen heisst. Durch diesesRumpeln verräth sich die eigenste Eigenschaft diesesmodernen Menschen: der merkwürdige Gegensatz eines