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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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unhistorischen Zustande vorher begehrt und erstrebt zuhaben. Wie der Handelnde, nach Goethes Ausdruck,immer gewissenlos ist, so ist er auch immer wissenlos;er vergisst das Meiste, um Eins zu thun, er ist ungerechtgegen das, was hinter ihm liegt, und kennt nur Ein Recht,das Recht dessen, was jetzt werden soll. So liebt jederHandelnde sein That unendlich mehr, als sie geliebt zuwerden verdient: und die besten Thaten geschehen ineinem solchen Überschwange der Liebe, dass sie jeden-falls dieser Liebe unwerth sein müssen, wenn ihr Werthauch sonst unberechenbar gross wäre.

Sollte Einer im Stande sein, diese unhistorischeAtmosphäre, in der jedes grosse geschichtliche Ereig-niss entstanden ist, in zahlreichen Fällen auszuwittern undnachzuathmen, so vermöchte ein Solcher vielleicht, alserkennendes Wesen, sich auf einen überhistorischenStandpunkt zu erheben, wie ihn einmal Niebuhr als mög-liches Resultat historischer Betrachtungen geschildert hat.Zu einer Sache wenigstens, sagt er, ist die Geschichte,klar und ausführlich begriffen, nutz: dass man weiss, wieauch die grössten und höchsten Geister unsres mensch-lichen Geschlechts nicht wissen, wie zufällig ihr Augedie Form angenommen hat, wodurch sie sehen und wo-durch zu sehen sie von Jedermann gewaltsam fordern,gewaltsam nämlich, weil die Intensität ihres Bewusstseinsausnehmend gross ist. Wer dies nicht ganz bestimmt undin vielen Fällen weiss und begriffen hat, den unterjochtdie Erscheinung eines mächtigen Geistes, der in einegegebne Form die höchste Leidenschaftlichkeit bringt.Überhistorisch wäre ein solcher Standpunkt zu nennen,weil Einer, der auf ihm steht, gar keine Verführung mehrzum Weiterleben und zur Mitarbeit an der Geschichte ver-spüren könnte, dadurch dass er die Eine Bedingung alles