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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
Entstehung
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Bringt endlich der Tod das ersehnte Vergessen, so unter-schlägt er doch zugleich dabei die Gegenwart und dasDasein und drückt damit das Siegel auf jene Erkenntniss,dass Dasein nur ein ununterbrochnes Gewesensein ist,ein Ding, das davon lebt, sich selbst zu verneinen undzu verzehren, sich selbst zu widersprechen.

Wenn ein Glück, wenn ein Haschen nach neuemGlück in irgend einem Sinne das ist, was den Lebendenim Leben festhält und zum Leben fortdrängt, so hat viel-leicht kein Philosoph mehr Recht als der Cyniker: denndas Glück des Thieres, als des vollendeten Cynikers, istder lebendige Beweis für das Recht des Cynismus. Daskleinste Glück, wenn es nur ununterbrochen da ist undglücklich macht, ist ohne Vergleich mehr Glück als dasgrösste, das nur als Episode, gleichsam als Laune, alstoller Einfall, zwischen lauter Unlust, Begierde und Ent-behrung kommt. Bei dem kleinsten aber und bei demgrössten Glücke ist es immer Eins, wodurch Glückzum Glücke wird: das Vergessen-können oder, gelehrterausgedrückt, das Vermögen, während seiner Dauer un-historisch zu empfinden. Wer sich nicht auf der Schwelledes Augenblicks, alle Vergangenheiten vergessend, nieder-lassen kann, wer nicht auf einem Punkte wie eine Sieges-göttin ohne Schwindel und Furcht zu stehen vermag,der wird nie wissen, was Glück ist und noch schlimmer:er wird nie etwas thun, was Andre glücklich macht.Denkt euch das äusserste Beispiel, einen Menschen, derdie Kraft zu vergessen gar nicht besässe, der verurtheiltwäre, überall ein Werden zu sehen: ein Solcher glaubtnicht mehr an sein eignes Sein, glaubt nicht mehr ansich, sieht alles in bewegte Punkte auseinander fliessenund verliert sich in diesem Strome des Werdens: er wirdwie der rechte Schüler Heraklits zuletzt kaum mehr wagen