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der Augenblick, im Husch da, im Husch vorüber, vorherein Nichts, nachher ein Nichts, kommt doch nochals Gespenst wieder und stört die Ruhe eines späterenAugenblicks. Fortwährend löst sich ein Blatt aus derRolle der Zeit, fällt heraus, flattert fort — und flattertplötzlich wieder zurück, dem Menschen in den Schooss.Dann sagt der Mensch „ich erinnere mich“ und beneidetdas Thier, welches sofort vergisst und jeden Augen-blick wirklich sterben, in Nebel und Nacht zurücksinkenund auf immer verlöschen sieht. So lebt das Thierunhistorisch: denn es geht auf in der Gegenwart, wieeine Zahl, ohne dass ein wunderlicher Bruch übrig bleibt,es weiss sich nicht zu verstellen, verbirgt nichts und er-scheint in jedem Momente ganz und gar als das, was esist, kann also gar nicht anders sein als ehrlich. DerMensch hingegen stemmt sich gegen die grosse undimmer grössere Last des Vergangnen: diese drückt ihnnieder oder beugt ihn seitwärts, diese beschwert seinenGang als eine unsichtbare und dunkle Bürde, welche erzum Scheine einmal verläugnen kann, und welche erim Umgänge mit seines Gleichen gar zu gern verläug-net: um ihren Neid zu wecken. Deshalb ergreift es ihn,als ob er eines verlornen Paradieses gedächte, dieweidende Heerde oder, in vertrauterer Nähe, das Kindzu sehen, das noch nichts Vergangnes zu verläugnenhat und zwischen den Zäunen der Vergangenheit undder Zukunft in überseliger Blindheit spielt. Und dochmuss ihm sein Spiel gestört werden: nur zu zeitig wirdes aus der Vergessenheit heraufgerufen. Dann lernt esdas Wort „es war“ zu verstehen, jenes Losungswort,mit dem Kampf, Leiden und Überdruss an den Men-schen herankommen, ihn zu erinnern, was sein Daseinim Grunde ist — ein nie zu vollendendes Imperfectum.