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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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selbst am Schmerz percipirten Urlust, ist der gemeinsameGeburtsschooss der Musik und des tragischen Mythus.

Sollte sich nicht inzwischen dadurch, dass wir dieMusikrelation der Dissonanz zu Hülfe nahmen, jenesschwierige Problem der tragischen Wirkung wesentlich er-leichtert haben? Verstehen wir doch jetzt, was es heissenwill, in der Tragödie zugleich schauen zu wollen und sichüber das Schauen hinaus zu sehnen: welchen Zustand wirin Betreff der künstlerisch verwendeten Dissonanz ebenso zu charakterisiren hätten, dass wir hören wollen undüber das Hören uns zugleich hinaussehnen. Jenes Stre-ben ins Unendliche, der Flügelschlag der Sehnsucht, beider höchsten Lust an der deutlich percipirten Wirklichkeit,erinnern daran, dass wir in beiden Zuständen ein diony-sisches Phänomen zu erkennen haben, das uns immervon Neuem wieder das spielende Aufbauen und Zer-trümmern der Individualwelt als den Ausfluss einer Ur-lust offenbart, in einer ähnlichen Weise, wie wenn vonHeraklit dem Dunklen die weltbildende Kraft einemKinde verglichen wird, das spielend Steine hin und hersetzt und Sandhaufen aufbaut und wieder einwirft.

Um also die dionysische Befähigung eines Volkesrichtig abzuschätzen, dürften wir nicht nur an die Musikdes Volkes, sondern eben so nothwendig an den tra-gischen Mythus dieses Volkes als den zweiten Zeugenjener Befähigung zu denken haben. Es ist nun, bei die-ser engsten Verwandtschaft zwischen Musik und Mythus,in gleicher Weise zu vermuthen, dass mit einer Entartungund Depravation des Einen eine Verkümmerung derAnderen verbunden sein wird: wenn anders in derSchwächung des Mythus überhaupt eine Abschwächungdes dionysischen Vermögens zum Ausdruck kommt. ÜberBeides dürfte uns aber ein Blick auf die Entwicklung