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Lust und weiss recht wohl, dass viele dieser Bilderausserdem mitunter noch eine moralische Ergetzung,etwa unter der Form des Mitleides oder eines sittlichenTriumphes, erzeugen können. Wer die Wirkung desTragischen aber allein aus diesen moralischen Quellenableiten wollte, wie es freilich in der Ästhetik nur allzulange üblich war, der mag nur nicht glauben, etwas fürdie Kunst damit gethan zu haben: die vor Allem Reinheitin ihrem Bereiche verlangen muss. Für die Erklärungdes tragischen Mythus ist es gerade die erste Forderung,die ihm eigenthümliche Lust in der rein ästhetischenSphäre zu suchen, ohne in das Gebiet des Mitleids, derFurcht, des Sittlich-Erhabenen überzugreifen. Wie kanndas Hässliche und das Disharmonische, der Inhalt destragischen Mythus, eine ästhetische Lust erregen?
Hier nun wird es nöthig, uns mit einem kühnen An-lauf in eine Metaphysik der Kunst hinein zu schwingen,indem ich den früheren Satz wiederhole, dass nur als einästhetisches Phänomen das Dasein und die Welt gerecht-fertigt erscheint: in welchem Sinne uns gerade der tra-gische Mythus zu überzeugen hat, dass selbst das Häss-liche und Disharmonische ein künstlerisches Spiel ist,welches der Wille, in der ewigen Fülle seiner Lust, mitsich selbst spielt. Dieses schwer zu fassende Urphänomender dionysischen Kunst wird aber auf directem Wegeeinzig verständlich und unmittelbar erfasst in der wunder-baren Bedeutung der musikalischen Dissonanz, wieüberhaupt die Musik, neben die Welt hingestellt, alleineinen Begriff davon geben kann, was unter der Recht-fertigung der Welt als eines ästhetischen Phänomens zuverstehen ist. Die Lust, die der tragische Mythus erzeugt,hat eine gleiche Heimath, wie die lustvolle Empfindungder Dissonanz in der Musik. Das Dionysische, mit seiner