des deutschen Wesens nicht in Zweifel lassen: in derOper wie in dem abstracten Charakter unseres mythen-losen Daseins, in einer zur Ergetzlichkeit herabgesunkenenKunst, wie in einem vom Begriff geleiteten Leben, hattesich uns jene gleich unkünstlerische, als am Lebenzehrende Natur des sokratischen Optimismus enthüllt.Zu unserem Tröste aber gab es Anzeichen dafür, dasstrotzdem der deutsche Geist in herrlicher Gesundheit,Tiefe und dionysischer Kraft unzerstört, gleich einemzum Schlummer niedergesunknen Ritter, in einem unzu-gänglichen Abgrunde ruhe und träume: aus welchemAbgrunde zu uns das dionysische Lied emporsteigt, umuns zu verstehen zu geben, dass dieser deutsche Ritterauch jetzt noch seinen uralten dionysischen Mythus inselig-ernsten Visionen träumt. Glaube'Niemand, dass derdeutsche Geist seine mythische Heimath auf ewig verlorenhabe, wenn er so deutlich noch die Vogelstimmen versteht,die von jener Heimath erzählen. Eines Tages wird er sichwach finden, in aller Morgenfrische eines ungeheurenSchlafes: dann wird er Drachen tödten, die tückischenZwerge vernichten und Brünnhilde erwecken — und Wo-tan’s Speer selbst wird seinen Weg nicht hemmen können!
Meine Freunde, ihr, die ihr an die dionysische Musikglaubt, ihr wisst auch, was für uns die Tragödie bedeutet.In ihr haben wir, wiedergeboren aus der Musik, dentragischen Mythus — und in ihm dürft ihr Alles hoffenund das Schmerzlichste vergessen! Das Schmerzlichsteaber ist für uns alle — die lange Entwürdigung, unterder der deutsche Genius, entfremdet von Haus und Hei-math, im Dienst tückischer Zwerge lebte. Ihr versteht dasWort — wie ihr auch, zum Schluss, meine Hoffnungenverstehen werdet.