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Freilich erreichte das apollinische Lichtbild geradebei der inneren Beleuchtung durch die Musik nicht dieeigenthümliche Wirkung der schwächeren Grade apolli-nischer Kunst; was das Epos oder der beseelte Steinvermögen, das anschauende Auge zu jenem ruhigen Ent-zücken an der Welt der individuatio zu zwingen, daswollte sich hier, trotz einer höheren Beseeltheit und Deut-lichkeit, nicht erreichen lassen. Wir schauten das Dramaan und drangen mit bohrendem Blick in seine innerebewegte Welt der Motive — und doch war uns, als obnur ein Gleichnissbild an uns vorüberzöge, dessen tiefstenSinn wir fast zu errathen glaubten und das wir, wie einenVorhang, fortzuziehen wünschten, um hinter ihm das Ur-bild zu erblicken. Die hellste Deutlichkeit des Bildesgenügte uns nicht: denn dieses schien eben sowohl Etwaszu offenbaren als zu verhüllen; und während es mitseiner gleichnissartigen Offenbarung zum Zerreissen des.Schleiers, zur Enthüllung des geheimnissvollen Hinter-grundes aufzufordern schien, hielt wiederum gerade jenedurchleuchtete Allsichtbarkeit das Auge gebannt undwehrte ihm, tiefer zu dringen.
Wer dies nicht erlebt hat, zugleich schauen zu müssenund zugleich über das Schauen hinaus sich zu sehnen,wird sich schwerlich vorstellen, wie bestimmt und klardiese beiden Processe bei der Betrachtung des tragischenMythus nebeneinander bestehen und nebeneinander em-pfunden werden: während die wahrhaft ästhetischen Zu-schauer mir bestätigen werden, dass unter den eigen-thümlichen Wirkungen der Tragödie jenes Nebeneinanderdie merkwürdigste sei. Man übertrage sich nun diesesPhänomen des ästhetischen Zuschauers in einen analogenProcess im tragischen Künstler, und man wird die Ge-nesis des tragischen Mythus verstanden haben. Er