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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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uralte Kraft verborgen liegt, die freilich nur in unge-heuren Momenten sich gewaltig einmal bewegt und dannwieder einem zukünftigen Erwachen entgegenträumt.Aus diesem Abgrunde ist die deutsche Reformationhervorgewachsen: in deren Choral die Zukunftsweise derdeutschen Musik zuerst erklang. So tief, muthig undseelenvoll, so überschwänglich gut und zart tönte dieserChoral Luthers, als der erste dionysische Lockruf, deraus dichtverwachsenem Gebüsch, im Nahen des Frühlings,hervordringt. Ihm antwortete in wetteiferndem Wieder-hall jener weihevoll übermüthige Festzug dionysischerSchwärmer, denen wir die deutsche Musik dankenund denen wir die Wiedergeburt des deutschenMythus danken werden!

Ich weiss, dass ich jetzt den theilnehmend folgendenFreund auf einen hochgelegenen Ort einsamer Betrach-tung fuhren muss, wo er nur wenige Gefährten habenwird, und rufe ihm ermuthigend zu, dass wir uns anunseren leuchtenden Führern, den Griechen, festzuhaltenhaben. Von ihnen haben wir bis jetzt, zur Reinigungunserer ästhetischen Erkenntniss, jene beiden Götterbilderentlehnt, von denen jedes ein gesondertes Kunstreich fürsich beherrscht und über deren gegenseitige Berührungund Steigerung wir durch die griechische Tragödie zueiner Ahnung kamen. Durch ein merkwürdiges Aus-einanderreissen beider künstlerischen Urtriebe musste unsder Untergang der griechischen Tragödie herbeigeführterscheinen: mit welchem Vorgänge eine Degenerationund Umwandlung des griechischen Volkscharakters imEinklang war, uns zu ernstem Nachdenken auffordernd,wie nothwendig und eng die Kunst und das Volk.Mythus und Sitte, Tragödie und Staat, in ihren Funda-menten verwachsen sind. Jener Untergang der Tragödie