irgend etwas Anderes dabei erleidet. Daran nämlichwird er messen können, wie weit er überhaupt befähigtist, den Mythus, das zusammengezogene Weltbild, zuverstehen, der, als Abbreviatur der Erscheinung, dasWunder nicht entbehren kann. Das Wahrscheinliche istaber, dass fast Jeder, bei strenger Prüfung, sich sodurch den kritisch-historischen Geist unserer Bildungzersetzt fühlt, um nur etwa auf gelehrtem Wege, durchvermittelnde Abstractionen, sich die einstmalige Existenzdes Mythus glaublich zu machen. Ohne Mythus abergeht jede Cultur ihrer gesunden schöpferischen Natur-kraft verlustig: erst ein mit Mythen umstellter Horizontschliesst eine ganze Culturbewegung zur Einheit ab.Alle Kräfte der Phantasie und des apollinischen Traumeswerden erst durch den Mythus aus ihrem wahllosenHerumschweifen gerettet. Die Bilder des Mythus müssendie unbemerkt allgegenwärtigen dämonischen Wächtersein, unter deren Hut die junge Seele heran wächst, anderen Zeichen der Mann sich sein Leben und seineKämpfe deutet: und selbst der Staat kennt keine mäch-tigeren ungeschriebnen Gesetze als das mythische Funda-ment, das seinen Zusammenhang mit der Religion, seinHerauswachsen aus mythischen Vorstellungen verbürgt.
Man stelle jetzt daneben den abstracten, ohneMythen geleiteten Menschen, die abstracte Erziehung,die abstracte Sitte, das abstracte Recht, den abstractenStaat: man vergegenwärtige sich das regellose, vonkeinem heimischen Mythus gezügelte Schweifen derkünstlerischen Phantasie: man denke sich eine Cultur,die keinen festen und heiligen Ursitz hat, sondern alleMöglichkeiten zu erschöpfen und von allen Culturen sichkümmerlich zu nähren verurtheilt ist — das ist dieGegenwart, als das Resultat jenes auf Vernichtung des