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weibliche Geschöpf war wider sein Wissen bereits durchErziehung und Journale zu einer gleichen Perceptioneines Kunstwerks vorbereitet. Die edleren Naturen unterden Künstlern rechneten bei einem solchen Publicum aufdie Erregung moralisch-religiöser Kräfte, und der Anrufder „sittlichen Weltordnung“ trat vikarirend ein, woeigentlich ein gewaltiger Kunstzauber den ächten Zuhörerentzücken sollte. Oder es wurde vom Dramatiker einegrossartigere, mindestens aufregende Tendenz der poli-tischen und socialen Gegenwart so deutlich vorgetragen,dass der Zuhörer seine kritische Erschöpfung vergessenund sich ähnlichen Affecten überlassen konnte, wie inpatriotischen oder kriegerischen Momenten, oder vor derRednerbühne des Parlaments oder bei der Verurtheilungdes Verbrechens und des Lasters: welche Entfremdungder eigentlichen Kunstabsichten hier und da geradezuzu einem Cultus der Tendenz führen musste. Doch hiertrat ein; was bei allen erkünstelten Künsten von jehereingetreten ist, eine reissend schnelle Depravation jenerTendenzen, so dass zum Beispiel die Tendenz, das Theaterals Veranstaltung zur moralischen Volksbildung zu ver-wenden, die zu Schiller’s Zeit ernsthaft genommen wurde,bereits unter die unglaubwürdigen Antiquitäten einerüberwundenen Bildung gerechnet wird. Während derKritiker in Theater und Concert, der Journalist in derSchule, die Presse in der Gesellschaft zur Herrschaftgekommen war, entartete die Kunst zu einem Unter-haltungsobject der niedrigsten Art, und die ästhetischeKritik wurde als das Bindemittel einer eiteln, zerstreuten,selbstsüchtigen und überdies ärmlich-unoriginalen Gesellig-keit benutzt, deren Sinn jene Schopenhauerische Parabelvon den Stachelschweinen zu verstehen giebt; so dasszu keiner Zeit so viel über Kunst geschwatzt und so