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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
Entstehung
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Tragödie sich selbst in dem Chore der Orchestra wieder-fand, dass es im Grunde keinen Gegensatz von Publicumund Chor gab: denn alles ist nur ein grosser erhabenerChor von tanzenden und singenden Satyrn oder von, solchen, welche sich durch diese Satyrn repräsentirenlassen. Das Schlegelsche Wort muss sich uns hier ineinem tieferen Sinne erschliessen. Der Chor ist deridealische Zuschauer, insofern er der einzige Schauerist, der Schauer der Visionswelt der Scene. Ein Publicumvon Zuschauern, wie wir es kennen, war den Griechenunbekannt: in ihren Theatern war es Jedem, bei dem inconcentrischen Bogen sich erhebenden Terrassenbau desZuschauerraumes, möglich, die gesammte Culturwelt umsich herum ganz eigentlich zu übersehen und in ge-sättigtem Hinschauen selbst Choreut sich zu wähnen.Nach dieser Einsicht dürfen wir den Chor, auf seinerprimitiven Stufe in der Urtragödie, eine Selbstspiegelungdes dionysischen Menschen nennen: welches Phänomenam deutlichsten durch den Prozess des Schauspielers zumachen ist, der, bei wahrhafter Begabung, sein von ihmdarzustellendes Rollenbild zum Greifen wahrnehmbar vorseinen Augen schweben sieht. Der Satyrchor ist zu aller-erst eine Vision der dionysischen Masse, wie wiederumdie Welt der Bühne eine Vision dieses Satyrchors ist:die Kraft dieser Vision ist stark genug, um gegen denEindruck derRealität, gegen die rings auf den Sitz-reihen gelagerten Bildungsmenschen den Blick stumpfUnd unempfindlich zu machen. Die Form des griechischenTheaters erinnert an ein einsames Gebirgsthal: die Archi-tektur der Scene erscheint wie ein leuchtendes Wolkenbild,welches die im Gebirge herumschwärmenden Bacchenvon der Höhe aus erblicken, als die herrliche Umrahmung,in deren Mitte ihnen das Bild des Dionysus offenbar wird.