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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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Wirklichkeit, weil er der Satyrchor das Daseinwahrhaftiger, wirklicher, vollständiger abbildet als der ge-meinhin sich als einzige Realität achtende Culturmensch.Die Sphäre der Poesie liegt nicht ausserhalb der Welt,als eine phantastische Unmöglichkeit eines Dichterhirns:sie will das gerade Gegentheil sein, der ungeschminkteAusdruck der Wahrheit und muss eben deshalb denlügenhaften Aufputz jener vermeinten Wirklichkeit desCulturmenschen von sich werfen. Der Contrast diesereigentlichen Naturwahrheit und der sich als einzige Reali-tät gebärdenden Culturlüge ist ein ähnlicher wie zwischendem ewigen Kern der Dinge, dem Ding an sich, undder gesammten Erscheinungswelt: und wie die Tragödiemit ihrem metaphysischen Tröste auf das ewige Lebenjenes Daseinskernes, bei dem fortwährenden Untergange,der Erscheinungen, hinweist, so spricht bereits die Sym-bolik des Satyrchors in einem Gleichniss jenes UrVer-hältnis zwischen Ding an sich und Erscheinung aus.Jener idyllische Schäfer des modernen Menschen ist nurein Konterfei der ihm als Natur geltenden Summe vonBildungsillusionen; der dionysische Grieche will die Wahr-heit und die Natur in ihrer höchsten Kraft ; er siehtsich zum Satyr verzaubert.

Unter solchen Stimmungen und Erkenntnissen jubeltdie schwärmende Schaar der Dionysusdiener: deren

Macht sie selbst vor ihren eignen Augen verwandelt, sodass sie sich als wiederhergestellte Naturgenien, alsSatyrn, zu erblicken wähnen. Die spätere Constitutiondes Tragödienchors ist die künstlerische Nachahmungjenes natürlichen Phänomens; bei der nun allerdings eineScheidung von dionysischen Zuschauern und dionysischenVerzauberten nöthig wurde. Nur muss man sich immergegenwärtig halten, dass das Publicum der ' attischen