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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
Entstehung
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Freilich ist es einidealer Boden, auf dem, nachder richtigen Einsicht Schillers, der griechische Satyr-chor, der Chor der ursprünglichen Tragödie, zu wandelnpflegt, ein Boden, hoch emporgehoben über die wirklicheWandelbahn der Sterblichen. Der Grieche hat sich fürdiesen Chor die Schwebegerüste eines fingirten Natur-zustandes gezimmert und auf sie hin fingirte Natur-wesen gestellt. Die Tragödie ist auf diesem Fundamenteemporgewachsen und freilich schon deshalb von An-beginn an einem peinlichen Abkonterfeien der Wirk-lichkeit enthoben gewesen. Dabei ist es doch keinewillkürlich zwischen Himmel und Erde hineinphantasirteWelt; vielmehr eine Welt von gleicher Realität undGlaubwürdigkeit, wie sie der Olymp sammt seinen In-sassen für den gläubigen Hellenen besass. Der Satyrals der dionysische Choreut lebt in einer religiös zuge-standenen Wirklichkeit unter der Sanction des Mythusund des Cultus. Dass mit ihm die Tragödie beginnt,dass aus ihm die dionysische Weisheit der Tragödiespricht, ist ein hier uns eben so befremdendes Phänomenwie überhaupt die Entstehung der Tragödie aus demChore. Vielleicht gewinnen wir einen Ausgangspunktder Betrachtung, wenn ich die Behauptung hinstelle, dasssich der Satyr, das fingirte Natur wesen, zu dem Cultur-menschen in gleicher Weise verhält, wie die dionysischeMusik zur Civilisation. Von letzterer sagt RichardWagner, dass sie von der Musik aufgehoben werde wieder Lampenschein vom Tageslicht. In gleicher Weise,glaube ich, fühlte sich der griechische Culturmensch imAngesicht des Satyrchors aufgehoben: und dies ist dienäch ste W irkung der dionysischen Tragödie, dass derStaat und die Gesellschaft, überhaupt die Klüfte zwischenMensch und Mensch einem übermächtigen Einheitsgefühle