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Natur des griechischen Publicums. Wir hatten nämlichdoch immer gemeint, dass der rechte Zuschauer, er seiwer er wolle, sich immer bewusst bleiben müsse, einKunstwerk vor sich zu haben, nicht eine empirischeRealität: während der tragische Chor der Griechen inden Gestalten der Bühne leibhafte Existenzen zu er-kennen genöthigt ist. Der Okeanidenchor glaubt wirk-lich den Titan Prometheus vor sich zu sehen und hältsich selbst für eben so real wie den Gott der Scene.Und das sollte die höchste und reinste Art des Zuschauerssein, gleich den Okeaniden den Prometheus für leiblichvorhanden und real zu halten? Und es wäre das Zeichendes idealischen Zuschauers, auf die Bühne zu laufen undden Gott von seinen Martern zu befreien? Wir hattenan ein ästhetisches Publicum geglaubt und den einzelnenZuschauer für um so befähigter gehalten, je mehr er imStande war, das Kunstwerk als Kunst d. h. ästhetischzu nehmen; und jetzt deutete uns der Schlegel’scheAusdruck an, dass der vollkommne idealische Zuschauerdie Welt der Scene gar nicht ästhetisch, sondern leibhaftempirisch auf sich wirken lasse. O über diese Griechen!seufzten wir; sie werfen uns unsre Ästhetik um! Daranaber gewöhnt, wiederholten wir den Schlegel’schenSpruch, so oft der Chor zur Sprache kam.
Aber jene so ausdrückliche Überlieferung redet hiergegen Schlegel: der Chor an sich, ohne Bühne, also dieprimitive Gestalt der Tragödie und jener Chor idealischerZuschauer vertragen sich nicht mit einander. Was wäredas für eine Kunstgattung, die aus dem Begriff des Zu-schauers herausgezogen wäre, als deren eigentliche Formder „Zuschauer an sich“ zu gelten hätte. Der Zuschauerohne Schauspiel ist ein widersinniger Begriff. Wirfürchten, dass die Geburt der Tragödie weder aus der