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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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behalte mag- noch so sehr durch ein Wort desAristoteles nahegelegt sein: auf die ursprüngliche For-mation der Tragödie ist er ohne Einfluss, da von jenenrein religiösen Ursprüngen der ganze Gegensatz vonVolk und Fürst, überhaupt jegliche politisch - socialeSphäre ausgeschlossen ist; aber wir möchten es auch inHinsicht auf die uns bekannte classische Form des Chorsbei Aschylus und Sophokles für Blasphemie erachten,hier von der Ahnung einerconstitutioneilen Volksver-tretung zu reden, vor welcher Blasphemie Andere nichtzurückgeschrocken sind. Eine constitutioneile Volksver-tretung kennen die antiken Staatsverfassungen in praxinicht und haben sie hoffentlich auch in ihrer Tragödienicht einmalgeahnt.

Viel berühmter als diese politische Erklärung desChors ist der Gedanke A. W. Schlegels, der uns denChor gewissermaassen als den Inbegiff und Extract derZuschauermenge, als denidealischen Zuschauer zu be-trachten anempfiehlt. Diese Ansicht, zusammengehaltenmit jener historischen Überlieferung, dass ursprünglichdie Tragödie nur Chor war, erweist sich als das was sieist, als eine rohe, unwissenschaftliche, doch glänzendeBehauptung, die ihren Glanz aber nur durch ihre con-centrirte Form des Ausdrucks, durch die echt germanischeVoreingenommenheit für Alles, wasidealisch genanntwird und durch unser momentanes Erstauntsein erhaltenhat. Wir sind nämlich erstaunt, sobald wir das uns gutbekannte Theaterpublicum mit jenem Chore vergleichenund uns fragen, ob es wohl möglich sei, aus diesemPublicum je etwas dem tragischen Chore Analogesherauszuidealisiren. Wir leugnen dies im Stillen undwundern uns jetzt eben so über die Kühnheit derSchlegelschen Behauptung wie über die total verschiedene

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