ihren armen Witz zu üben und das doch wahrlich er-klärenswerthe Phänomen zu übersehen, ist recht in derArt jener Ästhetik. Ja selbst wenn der Tondichter inBildern über eine Composition geredet hat, etwa wenner eine Symphonie als pastorale und einen Satz als„Scene am Bach“, einen anderen als „lustiges Zusammen-sein der Landleute“ bezeichnet, so sind das ebenfalls nurgleichni ssartige, aus der Musik geborne Vorstellungen —und nicht etwa die nachgeahmten Gegenstände derMusik — Vorstellungen, die über den dionysischenInhalt der Musik uns nach keiner Seite hin belehrenkönnen, ja die keinen ausschliesslichen Werth nebenanderen Bildern haben. Diesen Prozess einer Entladungder Musik in Bildern haben wir uns nun auf eine jugend-frische, sprachlich schöpferische Volksmenge zu über-tragen, um zur Ahnung zu kommen, wie das strophischeVolkslied entsteht, und wie das ganze Sprachvermögendurch das neue Princip der Nachahmung der Musik auf-geregt wird.
Dürfen wir also die lyrische Dichtung als die nach-ahmende Effulguration der Musik in Bildern und Be-griffen betrachten, so können wir jetzt fragen: „als waserscheint die Musik im Spiegel der Bildlichkeit undder Begriffe?“ Sie erscheint als Wille, das Wort imSchopenhauerischen Sinne genommen, d. h. als Gegen-satz der ästhetischen, rein beschaulichen willenlosenStimmung. Hier unterscheide man nun so scharf alsmöglich den Begriff des Wesens von _dem der Erschei-nung: denn die Musik kann, ihrem Wesen nach, un-möglich Wille sein, weil sie als solcher gänzlich aus demBereich der Kunst zu bannen wäre — denn der Willeist das an sich Unästhetische —; aber sie erscheint alsWille. Denn um ihre Erscheinung in Bildern auszu-