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über alle Völker sich erstreckende und in immer neuenGeburten sich steigernde Verbreitung ist uns ein Zeugnissdafür, wie stark jener künstleri sch e Doppeltrieb d er Naturist: der in analoger Weise seine Spuren im Volksliedhinterlässt, wie die orgiastischen Bewegungen einesVolkes sich in seiner Musik verewigen. Ja es müssteauch historisch nachweisbar sein, wie jede an Volksliedernreich productive Periode zugleich auf das Stärkste durchdionysische Strömungen erregt worden ist, welche wirimmer als Untergrund und Voraussetzung des Volksliedeszu betrachten haben.
Das Volkslied aber gilt uns zu allernächst als musi-kalischer Weltspiegel, als ursprünglicheMelodie, die sichjetzt eine parallele Traumerscheinung sucht und diese inder Dichtung ausspricht. Die Melodie ist also dasJixs-te-u-n-d—Allgemeine, das deshalb auch mehrereObjectivationen, in mehreren Texten, an sich erleidenkann. Sie ist auch das bei weitem wichtigere und noth-wendigere in der naiven Schätzung des Volkes. DieMelodie gebiert die Dichtung aus sich und zwar immerwieder von Neuem; nichts Anderes will uns die Stro-phenform des Volksliedes sagen: welches Phäno-men ich immer mit Erstaunen betrachtet habe, bis ichendlich diese Erklärung fand. Wer eine Sammlung vonVolksliedern z. B. des Knaben Wunderhorn auf dieseTheorie hin ansieht, der wird unzählige Beispiele finden,wie die fortwährend gebärende Melodie Bilderfunken umsich aussprüht: die in ihrer Buntheit, ihrem jähen Wechsel,ja ihrem tollen Sichüberstürzen eine dem epischen Scheineund seinem ruhigen Fortströmen wildfremde Kraft offen-baren. Vom Standpunkte des Epos ist diese ungleicheund unregelmässige Bilderwelt der Lyrik einfach zu ver-urtheilen: und dies haben gewiss die feierlichen epischen