Sie ist nicht ausgeführt worden. Wir fassen hier kurz zusammenwas sich über dieselbe aus den Manuscripten ergiebt.
Vier Notizbücher (N VIII, N IX, N X, N XII), sehrflüchtig und fast durchweg mit Bleistift geschrieben, kommenhauptsächlich in Frage. Sie enthalten wie die übrigen Manu-scripte aphoristische Gedanken in bunter Reihenfolge. Einigedavon sind später in die „Vermischten Meinungen“ aufgenommenworden. Die meisten blieben liegen und haben in unserm BandeRaum gefunden. Der Inhalt ist sehr verschiedenartig; dochwiegen künstlerische, persönliche Reflexionen und allgemeineCultur-Betrachtungen vor. In N VIII findet sich mitten auf einerSeite ein „Titel: der neue Umblick“, in NIX ein anderer: „DerWanderer an die Freunde“, und auf der zweiten Seite von NXII zwei weitere: „Über die Ursachen der Dichtkunst“ und„Vorurtheile über die Dichter. Aphorismen.“ Ferner steht indem letztgenannten Notizbuch gegen den Schluss hin ein mit„Plan“ bezeichneter Gedankengang:
Einsicht in die Gefährdung der Cultur. Krieg. TiefsterSchmerz. Brand des Louvre. Schwächung des Cultur-begriffs (das Nationale, Bildungsphilister, Historische Krankheit).
Wie bekommt der Einzelne gegen die Epidemie Halt?
1. Schopenhauer’s Metaphysik, überhistorisch; heldenhafterDenker, Standpunkt fast religiös.
2. Wagner’s Vertheidigung seiner Kunst gegen den Zeit-geschmack.
Daraus neue Gefahren: Das Metaphysische treibt zurVerachtung des Wirklichen: insofern zuletzt culturfeindlichund fast gefährlicher.
Überschätzung des Genius.
Die Cultur der Musik lehnt die Wissenschaft, die Kritikab; vieles Beschränkte aus Wagner’s Wesen kommt hinzu.Rohheit neben überreizter Sensibilität. Das Deuteln und Sym-bolisiren nimmt überhand bei den Wagnerianern.“
Nietzsche, "Werke II. Abtheilung Band XI. 2 6