Druckschrift 
11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
385
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Man hat mir etwas vom ruhigen Glück der Erkennt-nis vorgeflötet aber ich fand es nicht, ja ich ver-achte es, jetzt wo ich die Seligkeit des Unglücks der Er-kenntnis kenne. Bin ich je gelangweilt? Immer in Sorge,immer ein Herzklopfen der Erwartung oder der Ent-täuschung! Ich segne dieses Elend, die Welt ist reichdadurch! Ich gehe dabei den langsamsten Schritt undschlürfe diese bitteren Süssigkeiten.

Ich will keine Erkenntniss mehr ohne Gefahr: immersei das tückische Meer oder das erbarmungslose Hoch-gebirge um den Forschenden!

601.

Die Vorstellung:dieser Gedanke könnte nichtwahr sein! erschüttert mich.Er wird als nichtwahr gelten! lässt mich kalt, ich setze es voraus:denn sie haben nicht so viel Zeit und Leidenschaft zu-zusetzen wie ich.

602.

Vielleicht weiss das schon alle Welt: aber ich weisses erst seit gestern, da fiel es mir ein! Und nun lebeich so fort, jeden Tag nur meine gestrige Entdeckung aufder Seele und bereit, sie an die Wand zu schreiben, damitalle Welt sich mit mir ihrer erfreue. Welche Narrheit!

603.

Dieser Gang ist so gefährlich! Ich darf mich selbernicht anrufen, wie ein Nachtwandler, der auf den Dächernlustwandelt, ein heiliges Anrecht hat, nicht bei Namengenannt zu werden.Was liegt an mir! Dies ist dieeinzige tröstende Stimme, die ich hören will.

Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band XI.

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