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11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
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gebürt des Stolzes ist die Scepsis. Die peinliche In-quisition gegen unsere Triebe und deren Lügnerei. Esist eine letzte Rache: in dieser Selbstzermalmung istder Mensch immer noch der Gott, der sich selber verlorenhat. Was folgt auf diese gewaltsame Scepsis? Die Er-schöpfung, die zweite Erschöpfung, ein Greisenthum: alleVergangenheit wird matt empfunden, die Verzweifelungselber wird zur Historie, und zuletzt ist das Wissen umalle diese Dinge noch ein genügender Reiz für dieseGreise.

Diese ganze Geschichte spielt sich in immer wenigerenKöpfen ab. Aber der Verlust des Glaubens wird ruch-bar unter allen Übrigen und nun folgt nach: das Auf-hören der Furcht, der Autorität, des Vertrauens, dasLeben nach dem Augenblick, nach dem gröbsten Ziele,nach dem Sichtbarsten: eine umgekehrte Bewegungleitet sich ein. Das Vertrauen ist noch am grössten fürdas, was dem früheren Ziele am entgegengesetztestenist! Ein Versuchen und Experimentiren, ein Gefühl derUnverantwortlichkeit, die Lust an der Anarchie! An dieStelle des Stolzes ist die Klugheit getreten. Die Wissen-schaft tritt in ihren Dienst. Eine gemeinere Gattungvon Menschen bekommt das Regiment (statt der noblesseoder der Priester): erst die Kaufleute, nachher die Arbeiter.Die Masse tritt auf als Herrscher: das Individuum musssich zur Masse lügen. Nun werden immer noch solchegeboren, die in früheren Zeiten zu der herrschendenClasse der Priester, des Adels, der Denker gehört hätten.Jetzt überschauen sie die Vernichtung der Religion undMetaphysik, noblesse und Individual-Bedeutung. Es sindNachgeborene. Sie müssen sich eine Bedeutung geben,ein Ziel setzen, um sich nicht schlecht zu befinden.Lüge und heimliche Rückflucht zum Überwundenen,