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11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
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gesammten Weltbetrachtung, seiner moralischen Ordnung,seinen moralischen Sentenzen ebenso sehr wie von seinenGleichnissen, seinen Charakteren, seinen Geschichten.Eine ernsthafte, der Wissenschaft zugehörige Meinungdamit bekräftigen wollen, dass irgend ein Tragiker etwasÄhnliches gesagt hat, ist eine Albernheit: Dichter habenin Dingen der Erkenntniss immer Unrecht, weil sie alsKünstler täuschen wollen und als Künstler gar nicht dasBestreben nach höchster Wahrhaftigkeit verstehen. Sagensie zufällig etwas Wahres, so ist ihre Autorität nicht ge-eignet, Glauben, sondern Misstrauen zu erwecken. Esist ein solcher Genuss, dass der erkennen wollende Triebauch einmal mit sich spielt und von. einem Zweige zumandern hüpft, mit reizenden Tönen und bunten Federchengeschmückt, und wir sollten Narren sein und da einOrakel erwarten, wo ein Vogel singt und tirilirt?

448.

Die Gefährlichkeit der Kunst besteht darin, uns andie eingebildeten Dinge zu gewöhnen, ja ihnen einehöhere Schätzung zuzusprechen: die Halbwahrheiten, dieblendenden Einfälle vorzuziehen, kurz den Glanz undden Effect der Dinge als Beweis ihrer Güte, ja ihrerRealität gelten zu lassen.Zur Vollkommenheit gehörtdie Realität, dieser Denkfehler ist sehr oft gemachtworden.Was wir stark bewundern, muss wahr sein.

449 -

Unsere grössten Erhebungen, Erschütterungen, denreinsten Himmel verdanken wir uns selber: wir leihendavon an die Werke der Kunst, und so werden siegrösser, wir verbessern sie und mitunter Verkennen wirsie zu ihren Gunsten.