Druckschrift 
11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
326
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scheinen sie neben uns! Sie wussten niemanden übersich und brauchten sich selbst nicht zu verachten.

3. Die Religion in der Gegenwart und der Zukunft.

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Sie begeistern sich in der Jugend einmal und sinddauernd dafür dankbar, während sie den Gegenständendieser Begeisterung ferner werden: aber an einer Kri-tik hindert sie die Pietät. Die Heiligsprechung nimmtzu im Verhältniss, dass die Begeisterungszeit ferner wirdund wir den Objecten uns entrückt fühlen.Was unseinmal so erhoben hat, muss die Wahrheit gewesensein. Jetzt stehen wir fern und können es nicht mehrprüfen: aber damals waren wir ganz darin zu Hause.Der Wahn, dass, was erhebt, wahr ist, und dass allesWahre erheben muss, ist die Folge von der Verachtungdes Irdischen, Materiellen als des Unwirklichen und derVerehrung des Geistigen und des Jenseits als der wahrenWelt, von wo aus alle Regungen kommen, die erheben. Wenn die Geschichte von Christus in diesem Jahr-hundert sich ereignet hätte, so würde der für verrücktgelten, der das glaubte, was jetzt noch viele davonglauben.

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Das Bedürfniss zu beten, auch das des Bussredens,Lobpreisens, Segnens, Fluchens, alle religiösen Gewohn-heiten brechen heraus, sobald ein Mensch pathetischwird: zum Beweis, dass pathetisch werden heisst: eineStufe zurücktreten. Wann sind wir davon am ent-ferntesten? Wenn wir spielen, Geist zeigen und aus-tauschen, freudig-heiter sind und schalkhaft dabei, imScherz über alles Emphatische in Wort, Ton, Trieb