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Europa hat einen Excess von orientalischer Mo-ralität in sich wuchern lassen, wie die Juden ihn aus-gedacht und ausempfunden haben. Man wird nicht dasglücklichste und besonnenste Volk sein, wenn man der-art im Moralischen ausschweift und es in’s Göttliche,Menschen-Unmögliche hineinverlegt. Sie sind viel ge-fangen und unterworfen gewesen, sie haben die orien-talische Verachtung kennen gelernt dafür, dass sie inihrem Glauben hartnäckig waren; sie haben sich gegendiesen Glauben so benommen wie asiatische Völkergegen ihre Fürsten, kriechend, ergeben und voller Angst,auch nicht frei vom Gelüst der Unabhängigkeit: so be-kamen sie eine unruhige, begehrliche, im Heimlichensich schadlos haltende Phantasie, die Brutstätte jenersublimen anklägerischen Moralität und jenes wildenHeroismus, der sich ebenso in der Hingebung an ihrenHeerführer Gott, als in der Verachtung gegen sich selbstkundgiebt. Das Christenthum hat vermöge seiner jüdi-schen Herkunft den Europäern jenes jüdische Unbehagenan sich selber gegeben, die Vorstellung von der innerenUnruhe als der menschlichen Normalität: daher die
Flucht der Europäer vor sich selber, daher diese uner-hörte Thätigkeit, sie stecken Kopf und Hände überall-hin. Zudem ist es dem Christenthum gelungen, die reinorientalischen Gegentypen, den Anachoreten und denMönch als die Vertreter eines „höheren Lebens“ inEuropa auftreten zu lassen; dadurch hat es eine falscheKritik über alles andere Leben ausgesprochen und dasGriechische in Europa unmöglich gemacht. Die Athenerfühlten sich zwar als die unruhigsten Griechen: aber wieruhig, wie voll von sich und anderen guten Dingen er-