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11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
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Jüdische wieder als fremdartig zu empfinden. DennEuropa hat sich selber zu einem guten Theile in dieBibel hineinlegen und im Ganzen und Grossen etwasÄhnliches thun müssen, wie die Puritaner Englands,welche ihre Gewohnheiten, ihre Zeitgenossen, ihre Kriege,ihre kleinen und grossen Schicksale in dem jüdischenBuche aufgezeichnet (prophezeit) fanden. Was abersagt der Europäer, welcher nach dem Vorzug der alt-jüdischen Litteratur vor allen anderen alten Litteraturengefragt wird:Es ist mehr Moral darin. Das heisstaber: es ist mehr von der Moral darin, welche jetzt inEuropa anerkannt wird; und das heisst wiederum nichtsanderes als: Europa hat die jüdische Moralität angenommenund hält diese für eine bessere, höhere, der gegenwärtigenGesittung und Erkenntniss angemessenere als die arabische,griechische, indische, chinesische. Was ist der Charakterdieser Moralität? Sind die Europäer wirklich vermögedieses moralischen Charakters die ersten und herrschen-den Menschen des Erdballes? Aber wonach bemisst manden Rang der verschiedenen Moralitäten? Zudem wollenes die Nicht-Europäer, wie die Chinesen, gar nicht Worthaben, dass die Europäer sich durch Moralität vor ihnenauszeichneten. Es gehört vielleicht mit zum Wesen derjüdischen Moralität, dass sie sich für die erste und höchstehält: es ist vielleicht eine Einbildung. Ja man kannfragen: giebt es überhaupt eine Rangordnung der Mora-lität, giebt es einen Canon, der über allen waltet, dasSittliche definirt ohne Rücksicht auf Volk, Zeit, Umstände,Erkenntnissgrad? Oder ist eine Ingredienz aller Moralen,der Grad von Anpassung an die Erkenntniss, vielleichtdas, was eine Rangordnung der Moralen ermöglicht?