313
409 -
Die Liebe Gottes zum Menschen ist die Ausschwei-fung des Gedankens von ungeschlechtlich lebendenMenschen. Dem Alterthum konnte so etwas nicht ein-fallen.
410.
Die Spannung zwischen dem immer reiner undferner gedachten Gott und dem immer sündiger gedachtenMenschen — einer der grössten Kraftversuche der Mensch-heit. Die Liebe Gottes zum Sünder ist wundervoll.Warum haben die Griechen nicht eine solche Spannungvon göttlicher Schönheit und menschlicher Hässlichkeitgehabt? Oder göttlicher Erkenntniss und menschlicherUnwissenheit? Die vermittelnden Brücken zwischen zweisolchen Klüften wären Neuschöpfungen, die nicht da sind(Engel? Offenbarung? Gottessohn?)
b) Aus der Geschichte des Christenthums.
'411.
Wenn in die Seele eines Kindes in einer abergläu-bischen Umgebung und Zeit der Gedanke fällt: „du bistder Sohn Gottes“ und es von früh an durch die Frömmig-keit seiner Mutter belehrt wird, dass dieser Gott heiligist und Heiligkeit will: dazu ein sanftes Temperamentund eine glühende, visionäre Phantasie, ein durch Ent-haltsamkeit und Einsamkeit erzogenes Vertrauen zu sichselber: so einer kann zum Glauben sündlos zu sein kom-men, sobald er als Sohn Gottes sich glaubt und somitseinen eigenen Befehlen gehorcht: — sublime Art