Druckschrift 
11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
286
Einzelbild herunterladen
 

286

Thatsache. Ebenso wo von Zwecken geredet wird.Eine heftige Liebe ist die fanatische, hartnäckigeMeinung, dass nur die und die Person meine Nothlindern kann, es ist Glaube, der selig und unselig macht,mitunter selbst im Besitze noch stark genug gegen jedeEnttäuschung, das heisst Wahrheit.

326.

Begierde! Das ist nichts Einfaches, Elementares!Vielmehr ist eine Noth (Druck, Drängen u. s. w.) zu unter-scheiden und ein aus Erfahrung bekanntes Mittel, dieserNoth abzuhelfen. Es entsteht so eine Verbindung vonNoth und Ziel, als ob die Noth von vornherein zu jenemZiele hin wolle. Ein solches Wollen giebt es gar nicht.Mich verlangt zu uriniren, ist ebenso irrthümlich alses giebt einen Willen zum Nachttopf.

327-

Ich will dies: man unterscheidetGegenstand,Schätzung des Gegenstands und Übung, aber im Grundeist es nicht ein Gegenstand, den man will, sondernein angenehmer Zustand von uns, der uns in irgendeiner Verbindung mit dem Gegenstände vorgekommenist: und die Schätzung des Gegenstandes ist ein Versuch,die thatsächlich angenehme Empfindung zu erklären,dadurch dass wir das Angenehme als F olge einerEinsicht darstellen (zum Beispiel Essen als Stillungdes Hungers, als Erhaltung u. s. w.): während die

angenehme Empfindung meistens nicht die Folge derEinsicht in die Zweckmässigkeit ist.Ich will heisst:ich mache etwas mir Angenehmes, soweit ich es