Druckschrift 
11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
284
Einzelbild herunterladen
 

ob zugehörige Gedanken wesentlich die des Widerspruchs,der Beschränkung, der Zustimmung sind: das Entstehenjedes Gedankens ist ein moralisches Ereigniss.Die logischen Formen erscheinen so als der allgemeinsteAusdruck unserer Triebe, Zuneigung, Widerspruch u. s. w.Bis in die Zelle hinein giebt es keine Bewegungen, alssolchemoralischen in diesem Sinne.

3 2 !

Verstehen, soweit es einem Jeden möglich istdas heisst eine Sache so bestimmt als möglich sich auf unsabgrenzen lassen, so dass sie unsere Form an der Grenzebestimmt und wir uns ganz genau bewusst werden, wieangenehm oder unangenehm uns bei dieser Be-stimmung zu Muthe wird. Also unsere Triebe fragen,was sie zu einer Sache sagen! Dagegen uns trieblosund ohne Lust und Unlust verhalten, mit einer künst-lichen Anaesthesie das kann kein Verstehen geben,sondern dann fassen wir eben mit dem Rest von Trieben,der noch nicht todt ist, die Erscheinung auf, das heisstso matt und flach wie möglich; wohl aber können wirmitunter unsere Triebe der Reihe nach hintereinanderüber dieselbe Sache befragen: die Urtheile vergleichen zum Beispiel über ein Weib, einen Freund.

322.

Der Anblick der Welt wird erst erträglich, wennwir sie durch den sanften Rauch des Feuers angenehmerLeidenschaften hindurch sehen, bald verborgen als einenGegenstand des Errathens, bald verkleinert und verkürzt,bald undeutlich, aber immer veredelt. Ohne unsere