Druckschrift 
11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
283
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Das Urtheil ist etwas sehr Langsames im Vergleichzu der ewigen, unendlich kleinen Thätigkeit der Triebe.Die Triebe sind also immer viel schneller da, und dasUrtheil ist immer nach einem fait accompli erst am Platze:entweder als Wirkung und Folge der Triebregung oderals Wirkung des miterregten, entgegengesetztenTriebes. Das Gedächtniss wird durch die Triebe erregt,seinen Stoff abzuliefern. Durch jeden Trieb wird auchsein Gegentrieb erregt, und nicht nur dieser, sondernwie Oberton-Saiten noch andere, deren Verhältniss nichtin einem so geläufigen Worte zu bezeichnen ist, wieGegensatz.

320.

Mit den Gedanken steht es wie mit den körperlichenBewegungen: ich muss warten, ob sie sich ereignen,wenn ich sie- auch will; es hängt davon ab, ob sie ein-geübt sind. Das Wollen ist hier nicht das Vorstellendes Zieles, sondern die Vorstellung logischer Formen(Gegensatz eines Gedankens, parallel, ähnlich, Prämisse,Schluss u. s. w.) in der Form des Wunsches. Das Ge-dächtniss muss den Inhalt geben. Bei Gelegenheiteines Satzes versucht das Gedächtniss zu den einzelnenWorten etwas Zugehöriges anzuhängen, und unserUrtheil entscheidet, ob es dazu passt und wie. So ver-sucht der Fuss eine Menge Lagen im Augenblick desStolperns. Wir wählen aus diesen plötzlich auftauchendenGedanken-Embryonen aus: wie wir aus den zu Gebotestehenden Worten unsere Gedanken in Formel bringen.Das Wesentlichste des Processes geht unter unseremBewusstsein vor sich. Unser Charakter entscheidet,