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11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
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einander ohne Furcht leben zu können? (so dass derEinzelne sich dem Anderen als gleich giebt und sichbenutzen lässt, so wie er jenen benutzt). Der allergrössteTheil dieser Verstellung ist schon in Fleisch, Blut undMuskel übergegangen, wir fühlen es nicht mehr als Ver-stellung, so wenig wir bei Begrüssungsworten und höf-lichen Mienen an Verstellung denken: was sie trotzdemsind. Die gewöhnlichsten Arten der Verstellung sind:erstens man ähnelt sich seiner Umgebung an, man ver-steckt sich gleichsam in ihr; zweitens man macht eseinem anderen Menschen, der Ansehen und Erfolg hat,nach und giebt sich als etwas Flöheres, als man ist. Imersten Falle folgt man der Sitte und wirdsittlich, imzweiten Falle folgt man der Autorität und wirdgläubig:unter allen Umständen erregt man keine Furcht mehrdenn wir haben jetzt vieleUnseres Gleichen.

257 -

Unsere Sicherstellung des Nächsten durch socialeMaassregeln beweist nicht mehr Mitleiden, aber mehrVorsicht und Kälte.

258.

Wenn nicht das alte jus talionis noch fortwirkte, sowürde man gewiss nicht gerade den Mörder hinrichten,sondern nach dem Satze, dass die Ehre mehr werth istals das Leben, viel eher den Ehrenräuber, den Verleumder.Ebenso ist schmerzhafte Verstümmelung und Ähnlichesein viel schwereres Leiden als das Sterben; folglich wäreder Grausame eher hinzurichten als der Mörder, insgleichender gewissenlose Arzt, Hebamme u. s. w. Endlich,insofern der Urheber vieler Tode unheilvoller ist als der