Druckschrift 
11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
258
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nicht wie ein Läufer zu laufen vermag: aber in mora-lischen Dingen sind wir so kindisch, das Fehlen dernatürlichen Bedingungen uns zur Schuld und Schandeanzurechnen! Als ob wir unser Werk wären! Dies istauch wirklich die Hypothese, auf der jenes Schamgefühlwuchs.

240.

Diese handeln ganz egoistisch, aber ihr moralischesUrtheil ist erzogen, alles sofort unter dem Gesichtspunktdes Löblichen und Tugendhaften zu sehen: sie sindvollendet in ihrer Unredlichkeit gegen sich und präsen-tiren in der Gesellschaft dasgute Gewissen. Anderesind höher, aber ihr Urtheil ist pessimistischen Gewohn-heiten hingegeben; sie legen sich alles egoistisch aus undsie verachten alles Egoistische. Ihre edelsten Hand-lungen hinterlassen in ihnen einen Bodensatz von Ekel.Es sind die, welche an eine Tugend glauben, die esnicht giebt und geben kann! Sie sind redlich, aberhaben von ihrer Redlichkeit nur Qual und Ekel an sich:weil ihr Lustgefühl auf Handlungen beschränkt ist, derensie selber sich nicht fähig wissen: aber sie schliessen,es müssten anderen diese Handlungen möglich sein:was nicht wahr ist. Der, welcher sagte:ich habedas Gesetz erfüllt, war gewiss nicht sehr anspruchsvollin der Ausdeutung desselben und kein Grübler.

241.

Sobald wir die Gerechtigkeit zu weit treiben und denFelsen unserer Individualität zerbröckeln, unsern festenungerechten Ausgangspunkt ganz aufgeben, so gebenwir die Möglichkeit der Erkenntniss auf: es fehlt dann