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Allgegenwart liebevoller Mächte ein angenehmererGlaube gewesen sein mag. Dann wird viel trüglicheHoffnung und also viel Enttäuschung weniger sein, undder Anlass zum Trösten seltener als jetzt.
238.
Jeden Augenblick kann eine moralische Empfindungso stark werden, dass sie partielle Unfruchtbarkeit er-zeugt, zum Beispiel der Trieb nach Wahrheit könnte dieKunst tödten und den geselligen feinen Verkehr, ebensodie Beredsamkeit. Die Keuschheit. Die Freigebigkeit.Der Fleiss. Die Reinlichkeit. (Puritaner gegen dasTheater. Xenophon gegen die Agone. Plato.)
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Wir haben nur gegen uns selber wahr zu sein:gegen andere es zu sein ist Aufopferung, und nurin dem Falle, dass dazu der natürliche Hang in uns ist,ist auch die Wahrheit gegen andere ein Gebot derNatur, das befriedigt werden will. — Gegen uns selberist es Selbsterhaltung; zum Beispiel unsere physischenKräfte müssen wir uns richtig vorstellen. Uns imGeistigen einen Sprung zumuthen, zu dem unsere Beinenicht reichen, ebenso im Moralischen, ist Anlass zu Bein-brüchen und den schwersten Schmerzen; unsere Moralitäthat das Maass ihrer Idealität an dem Maasse der unsmöglichen Kraft, vorausgesetzt dass wir diese steigernkönnen. Alles Wachsthum muss allmählich, nicht sprung-weise geschehen. — Wie viel Elend ist in der Welt da-durch, dass man an sich den Maassstab einer unmöglichenMoralität legt! Man schämt sich doch nicht, wenn man
Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band XI.