— 213 —
135 -
Der Werth einer Sache wird gesteigert, wenn dieVerehrung sich anhäuft, das heisst, wenn man den Nutzeneiner Sache für das Individuum aus dem Auge verliertund in’s Auge fasst, wie vielen Individuen sie schongenützt hat (oder zu haben scheint). Man traut ihr jetztmehr Kräfte zu. —
136.
Die Handlungen der Gewohnheit hat man nur inHinsicht auf ihren gemeinen Nutzen sittlich, also mitdem höchsten menschlichen Prädicat nennen können —in sich sind sie sehr arm und fast „ unter-thierisch.“
137 -
Die moralischen Vorstellungen sind Genussmittel undWürzen, um derentwillen wir die nöthigen Handlungenleichter thun; ohne sie wären uns diese Handlungenwiderlich oder langweilig.
5. Ethische Gesetze und Ideale.
a) Kritik absoluter Gesetze; der kategorischeImperativ, die Pflicht.
138.
Moralisch sein, das heisst ein Ziel setzen und darausalle unsere Handlungen logisch deduciren. Aber unsereNatur hat weder dies Ziel, noch hat sie diese selbeLogik! Deshalb läuft die Moral darauf hinaus, uns überdie Natur zu täuschen, das 'heisst uns von ihr führen zulassen und uns etwas dabei vorzureden, als ob wir sieführten.