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Was wir erwarten, das nennen wir recht und billig;was uns verwundert, was uns wunderbar vorkommt, dasloben oder tadeln wir. Die erste Empfindung der Ver-wunderung ist die Furcht: Lob und Tadel ist ein Productder Furcht. Dagegen lässt das Rechte und Billige unszufrieden, ist für die Empfindung neutral und entsprichtder Gesundheit. — Das, was jeder von sich und anderenerwartet, in jeder Lage, also das Gewöhnliche einer ganzenCultur, ist aber für eine andere Cultur nicht das Gewöhn-liche und erregt deren Verwunderung, erweckt Lob undTadel, und wird also jedenfalls zu stark empfunden. DieCulturen verstehen das, was zur Gesundheit der anderengehört, nicht. Das Erwartete, das Gewöhnliche, das Ge-sunde, das für die Empfindung Neutrale macht den gröss-ten Theil dessen aus, was eine Cultur ihre Sittlichkeitnennt.
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Alle halten das für moralisch, was ihren Stand auf-recht erhält, die Mutter, was ihr Ansehen mehrt, derPolitiker, was seiner Partei nützt, der Künstler, was seinemKunstwerke zur Verewigung verhilft: und der Grad vonGeist und Kenntnissen entscheidet, wie weit einer diesInteresse treibt, ob er die Reform der ganzen Welt, jaselbst den Untergang derselben für das sittliche Zielerklärt, damit er so dem Interesse seines Standes u. s. w.am höchsten nütze. Der Fürst, der Adlige haben eineMoral mit dem Volksmann, aber ihre Mittel nennen siegegenseitig unsittlich. „Die Sittlichkeit ist immer beiuns zu Hause“; es fragt sich, wie weit wir dies „beiuns“ ausdehnen.