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11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
211
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denn die Ängstlichkeit vor den bekannten Strafen desStaates und der bürgerlichen Achtung ist schon grossgenug. In hoch cultivirten Völkern dürften endlich selbstdie Strafen höchst überflüssige Schreckmittel werden;schon die Furcht vor Schande, das Erzittern der Eitel-keit ist so beständig wirksam, dass daraufhin die un-sittlichen Handlungen unterbleiben. Die Verfeine-rung der Sittlichkeit nimmt mit der Verfeinerung derFurchtsamkeit zu. Jetzt ist die Furcht vor unangeneh-men Empfindungen anderer Menschen fast die stärksteunserer unangenehmen Empfindungen. Man möchte garzu gern so leben, dass man nichts mehr thue, als wasanderen angenehme Empfindungen macht, und selberan nichts mehr Vergnügen habe, bei dem nicht dieseBedingung mit erfüllt wird.

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Der Mensch, erstaunlich furchtsam, versucht nurnothgedrungen etwas Neues. Gelingt es, so wiederholter es, bis es eine Sitte wird, und spricht es heilig.

132.

Das Regelmässige in der Natur, das ist das Be-rechenbare, dem kann man sich fügen, so dass es unschäd-lich oder gar nützlich verläuft: so hat man überall, woRegel waltet, an gute, wohlthätige Mächte geglaubt(durch eine Verwechselung). Das Böse, das ist das Un-berechenbare, zum Beispiel der Blitz. Der Mensch ist be-rechenbar auf Grund der Moral, insofern gut, das fremdeVolk unberechenbar, also böse; fremde Sitten werden alsböse betrachtet. Die Übertragung dessen, was uns gutist, auf das Object, das nun gut genannt wird.

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