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Wenn das Gute an sich gut wäre, so wäre es eineBeschränkung von Gottes Allmacht: er schafft alles, diesgebietet und jenes verbietet er dem Geschaffenen, dieKraft zu beiden hat er ihm gegeben. Wäre es ansich gut und böse, so hätte Gottes Gebot und Verbotkeine Nothwendigkeit. Wäre das An-sich zu erkennen,so brauchte der Mensch Gott und Priester nicht. Folg-lich decretiren diese: die Moral ist nur von Gottes Be-fehl aus, nicht aus Nutzen und Nachtheil der Hand-lungen zu begreifen. Sie wehren diesen Standpunkt derKritik der Handlungen ab.
128.
Vorschriften, wie gehandelt werden soll, sind um soindiscutabler, je mehr die Einsicht der Handelnden unterder des Vorschreibenden steht. Da ausser ihm niemandgenau weiss, welche Folgen er von den Handlungenerwartet, so sind auch jene Folgen, welche sich that-sächlich aus den Vorschriften ergeben, indiscutabel. Sostellt sich der religiöse Mensch zu Gottes Gebot, dermoralische Mensch zum Sittengesetz — eine Erbschaftaus Zeiten, in denen es einen Häuptling und blind ge-horchende Anhänger gab, welche in ihm ihre Vernunftsahen und ohne ihn keine hatten.
4. Die Sitte.
129.
Das allgemeine Gebot aller Sitten und Moralenheisst: denke nach und fürchte dich, beherrsche dich,verstelle dich.