Druckschrift 
11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
199
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3- Physische und psychische Factoren als Grundlagen

der Moral.

108.

Die sämmtlichen moralischen Qualitäten bei jedemMenschen in verschiedenen Verhältnissen: es sind Namenfür unbekannte constitutive Verhältnisse der phy-sischen Factoren.

109.

Alle Triebe ursprünglich relativ zweckmässig in ihrerWirkung (gut undböse). Moral entsteht, a) wennein Trieb über andere dominirt, zum Beispiel Furcht voreinem Gewaltigen oder Trieb zum geselligen Leben. Damüssen schwächere Triebe gespürt, aber nicht befriedigtwerden. Die Antworten auf das hier entstehende Warum?sind so roh und falsch wie möglich, aber sie sind An-fang moralischer Urtheile, einen Werthunterschied derHandlungen zwischen nöthig, zulässig, unzulässig fest-setzend. Einen Trieb haben und vor seiner BefriedigungAbscheu empfinden ist dassittliche Phänomen. Oderzum Beispiel die Liebe zu den Jungen, zum Eigenthum,derentwegen man selber hungert, sich Gefahren aussetzt.Junge und Eigenthum sind etwas so Angenehmes: aberwenn man Gründe wollte, so genügte dies nicht zusagen:sie sind angenehm, die Vernunft der Moralist das Bemühen, die Instincte zu übersehen und uns denSchein zu geben, als ob wir nach Zwecken handelten,also unser Bestes wollten. Thatsächlich ist das An-genehme meistens unser Bestes, aber dies Beste ver-mochte man nicht zu erfassen, dazu hatte man die Kennt-nisse der Natur und des Menschen nicht. Man construirte