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11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
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Wir verehren, wo wir nicht begreifen, zum Beispielbei alten Sitten, bei Worten, die mit feierlichem Tonegesprochen werden u. s. w. Aber wir sollten unserUrtheil zurückhalten, wo wir nicht begreifen, damit deraufgethürmten Verehrung ohne Kern nicht noch mehrauf Erden werde: sieht doch unsere geistige Welt nochsehr ägyptisch aus, Wüste und ungeheure Pyramidendarin und in den Pyramiden, meist unzugänglich, einerbärmlicher Leichnam.

96.

Soll man denn in der Welt leben, als habe man dieGebote einer höheren Geisterwelt hier durchzuführenund nichts anderes zu thun? Dies könnte geschehen ausInteresse oder aus Eitelkeit oder aus einem Gefühl derMacht (aus der Überzeugung, man gehöre zu dieserGeisterwelt und führe seine eigenen Bedürfnisse durch).Wenn man aber nicht mehr glaubt? Dann leitet unsunser Interesse, unsere Eitelkeit, unser Gefühl der Machtdirect im Handeln, nicht mehr indirect. Denn allealten Moralen, so heilig sie empfunden werden mögen,sind aus niederer Erkenntniss entsprungen, siedürfen nicht mehr herrschen.

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Es vollzieht sich eine Reduction des Gefühls vonMoral: alle Factoren dieses Gefühls, welche aus Einbil-dungen stammen, aus Verehrungen, wo nichts zu ver-ehren war, aus Anhäufung der Achtung, weil die Kritikgegen das Geachtete fehlte, aus der nachbarlichenDämmerung der Religion alles dies wird allmählich