Druckschrift 
11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
183
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glaubt an Kraft, wo man das Kraftgefühl hat. Kraft-gefühl gilt als Beweis von Kraft. Nach diesem Be-weis wandelt sich die Reizempfindung in Lust: also:alle Eigenschaften eines Dinges sind in Wahrheit Reizein uns, welche theils das Kraftgefühl mehren, theils esvermindern: jedes Ding ist eine Summe von Urtheilen(Befürchtungen, Hoffnungen, einiges fiösst Vertrauen ein,anderes nicht). Je mehr wir nun die Physik kennen, umso weniger phantastisch wird diese Summe von Ur-theilen (die falschen Subsummirungen fallen weg, zumBeispiel: alles, was schwarz ist, ist gefährlich). Zuletztbegreifen wir: ein Ding ist eine Summe von Erregungenin uns: weil wir aber nichts Festes sind, ist einDing auch keine feste Summe. Und je mehr wirFestigkeit in die Dinge zu legen wissen,

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Unsere Sinnenwelt ist gar nicht wirklich vorhanden,sie widerspricht sich: sie ist ein Trug der Sinne. Aberwas sind dann die Sinne? Die Ursachen des Betrugsmüssen real sein. Aber wir wissen von den Sinnen nurdurch die Sinne, und das gehört mithin in die Welt desTruges, Somit trügt etwas, was wir nicht kennen,und sein erster Trug sind die Sinne. Unsere Vielheitgehört dazu: aber wie könnten wir Trugbilder zum Wissenum den Trug kommen? Wie könnte ein Traumbildwissen, dass es zum Traume gehöre? Wir müssenfolglich auch das sein, was trügt: das heisst wir müssenauch real sein, und zwar muss dorther unser Bewusstseinstammen, dass die Welt ein Trug ist, im rein Logischen:dies sind wir selber irgendwie. Also, wie kann dasWahre, Wahrhafte, die Ursache der Trugwelt sein?