noch jene lächerliche Vater-Eitelkeit in ihnen wüthet,wird die Widerlegung die Dornenkrone der Philosophensein — wie viele haben sie schon tragen müssen! —während ein Freund der Wahrheit, das heisst ein Feinddes Betrogenwerdens, das heisst ein Freund der Unab-hängigkeit, bei einer Widerlegung ausrufen sollte: „ichbin einer grossen Gefahr entronnen, fast hätte ich michin meiner eigenen Schlinge erdrosselt.“ Einem so in-grimmigen und herrschsüchtigen Menschen wie Schopen-hauer war, kann man Glück wünschen, dass er es nichterrathen hat, wie kurz der Triumph seiner Philosophiesein sollte, und wie bald alle Prachtstücke seiner Erfin-dung als Trugbilder erkannt würden.
10.
Sobald die Schulweisheit es sich träumen lässt, giebtes ein Ding mehr zwischen Himmel und Erde; wennaber eine Wahrheit erkannt ist, so nimmt die Zahl solcherDinge ab, und eine Anzahl angeblicher Sterne löscht aus.Freilich nicht etwa sogleich! Sondern wie man vonSternen spricht, deren Lichtstrahlen uns erst erreichen,nachdem sie längst schon zerfallen sind, so strahlen dieIrrthümer noch lange ihren Glanz fort, nachdem sie wider-legt sind. Denkt man an die Kürze des Menschenlebens,so reicht auch wohl ein Irrthum aus, um das Leben vielerGeschlechter ganz in Licht zu tauchen. Wenn endlichsein Glanz verbleicht und stirbt, so sind sie längst dahinund haben die äusserste Bitterkeit, die es giebt, nicht er-fahren, den Stern erlöschen zu sehen.
11.
Schopenhauer’s Lehre ist eine verkappte Teleologie,aber die eines bösen und blinden Wesens, welches Zwecke
Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band XI. j j