Druckschrift 
11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

i6o

5 -

Plato hielt sich nicht in der Bahn des Socrates, dieersten Eindrücke des Heraclit schlugen vor, Pythagoraswar das geheime, neidisch angeschaute Ideal.

6 .

Plato im Grunde Pantheist, doch in der Verkleidungdes Dualisten.

7 -

Glaube nur niemand, dass, wenn Plato jetzt lebte undplatonische Ansichten hätte, er ein Philosoph'wäre,er wäre ein religiös Verrückter.

8 .

Der Hauptvorwurf Platos geht nicht gegen dieSophisten, sondern gegen die Dichter: sie lenken dieJünglinge, welche für Höheres angelegt sind, auf dieBahn des politischen Ehrgeizes während er sie aufdie des philosophischen Ehrgeizes bringen möchte. Diegewöhnliche Art der Befriedigung des Machtgefühls istder tiefe Schatten, welchen Plato sieht, er will eine anderezeigen. Jetzt könnte man den Vorwurf wiederholen, aberumgekehrt. Die Philosophen befriedigen den Stolz derJünglinge, wie die Dichter, sie bringen sie ab vonder Wissenschaft.

9 -

Plato musste es noch erleben, dass die Lehre vonden Ideen von einem helleren und umfänglicheren Geiste,als er war, widerlegt wurde: und der Widerlegende warnoch jüngst sein Schüler gewesen. So lange die Denkerihre Erkenntnisse als ihre Erzeugnisse betrachten, so lange