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11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
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Die Kunst gehört nicht zur Natur, sondernallein zum Menschen. In der Natur giebt es keinenTon, diese ist stumm; keine Farbe. Auch keine Gestalt,denn diese ist das Resultat einer Spiegelung der Ober-fläche im Auge, aber an sich giebt es kein Oben undUnten, Innen und Aussen. Könnte man anders sehen,als vermöge der Spiegelung, so würde man nicht vonGestalten reden, sondern vielleicht ins Innere sehen, sodass der Blick ein Ding allmählich durchschnitte. DieNatur, von welcher man unser Subject abzieht, ist etwassehr Gleichgültiges, Uninteressantes, kein geheimnissvollerUrgrund, kein enthülltes Welträthsel; wir vermögen jadurch die Wissenschaft vielfach über die Sinnesauffassunghinaus zu kommen, zum Beispiel den Ton als einezitternde Bewegung zu begreifen; je mehr wir die Naturentmenschlichen, um so leerer, bedeutungsloser wird siefür uns. Die Kunst beruht ganz und gar auf dervermenschlichten Natur, auf der mit Irrthümern undTäuschungen umsponnenen und durchwebten Natur, vonder keine Kunst absehen kann; sie erfasst nicht dasWesen der Dinge, weil sie ganz an das Auge und dasOhr angeknüpft ist. Zum Wesen führt nur der schliessendeVerstand. Er belehrt uns zum Beispiel, dass die Materieselbst ein uraltes eingefleischtes Vorurtheil ist, daherstammend, dass das Auge Spiegelflächen sieht und>dasmenschliche Tastorgan sehr stumpf ist: wo man nämlichwiderstrebende Punkte fühlt, so construirt man sich un-willkürlich widerstrebende continuirliche Ebenen (welcheaber nur in unserer Vorstellung existiren), unter derangewöhnten Illusion des spiegelnden Auges, welches imGrunde eben auch nur ein grobes Tastorgan ist. Ein