Druckschrift 
11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
44
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durchaus nicht auf die Consequenzen der Wahrheit, sondernnur auf sie selber zu achten hat. Dass das Leben desMenschen als Ganzes keine Folge der Empfindung inLust oder Unlust haben solle, sondern mit Vernichtungund völliger Empfindungslosigkeit schlösse, wird aus dem-selben Grunde gemeinhin abgelehnt: man fürchtet denGlauben an den Werth des Lebens zu schwächen unddie Lust zum Selbstmorde zu ermuthigen. Der Willezum Leben wehrt sich gegen die Schlüsse der Vernunftund versucht diese zu trüben: daher die Bedeutung, dieman den letzten Augenblicken des Lebens auf dem Sterbe-bette beilegt, als ob da noch etwas zu fürchten oder zuhoffen wäre.

90.

Der AusdruckLohn ist aus der Zeit her in un-sere verschleppt, in welcher der Niedriggeborene, Unfreie,wenn man ihm überhaupt etwas gab oder gönnte, sichimmer beglückt, begnadet fühlte, wo er wie ein Thierbald durch die Peitsche, bald durch Lockungen auf-gemuntert wurde, aber niemals etwasverdiente. Wennjener timt, was er thun muss, so ist kein Verdienstdabei: wird er trotzdem belohnt, so ist dies eineüberschüssige Gnade, Güte.

91.

Der Mensch will nicht nur, dass seine Art zu lebenangenehm oder nützlich sei: sie soll auch ein Verdienstsein, und zwar um so mehr ihm klar ist, dass die An-nehmlichkeit nicht gross ist. Er will sich durch die Ehreschadlos halten.