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3- Einzelbemerkungen.
92.
Je feiner der Geist, desto mehr leidet der Menschbeim Übermaass der Begierden. Insofern bringt geistigeVerfeinerung auch dasselbe hervor, was die Moralität dergebundenen Geister.
93 -
Nicht nur in dem Verhalten des Staates, welcherstraft, um abzuschrecken, sondern im Verhalten jedeseinzelnen, der lobt oder tadelt, wird der Grundsatz „derZweck heiligt das Mittel“ befolgt: denn tadeln hat eben-falls nur Sinn, als Mittel abzuschrecken und fürderhinals Motiv zu wirken; loben will antreiben, zum Nach-machen auffordern: insofern aber beides gethan wird,als ob es einer geschehenen Handlung gelte, so ist dieLüge, der Schein bei allem Loben und Tadeln nicht zuvermeiden; sie sind eben das Mittel, welches vom höherenZwecke geheiligt wird. A^orausgesetzt freilich, dass alle,sowohl die Tadelnden als die Getadelten, von der Lehre dervölligen UnVerantwortlichkeit und Schuldlosigkeit über-zeugt sind, so wirkt der Tadel nicht mehr, es sei denndass die Gewohnheit, namentlich die der Eitelkeit undEhrsucht stärker bliebe als alle durch Lehren beigebrachteÜberzeugungen.
94.
Ein Mensch, der durch Lob und Tadel verdirbt —ein Baum, der durch Sonnenschein und Regen verdirbt —:beide sind schon verdorben, und alles wird ihnen zumAnlass des Untergangs.