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Die wissenschaftlichen Methoden entlasten die Weltvon dem grossen Pathos, sie zeigen, wie grundlos mansich in diese Höhe der Empfindung hineingearbeitethat. Man lacht und wundert sich jetzt über einen Zank,der zwei Feinde und allmählich ganze Geschlechter rasendmacht und zuletzt das Schicksal der Völker bestimmt,während vielleicht der Anlass längst vergessen ist: aberein solcher Vorgang ist das Symbol aller grossen Affecteund Leidenschaften in der Welt, welche in ihrem Ur-sprünge immer lächerlich klein sind. Nun bleibt zunächstder Mensch verwundert vor der Höhe seines Gefühlsund der Niedrigkeit des Ursprungs stehen; auf dieDauer mildert sich dieser Gegensatz, denn das beschämendeGefühl des Lächerlichen arbeitet still an dem Menschen,der hier einmal zu erkennen angefangen hat. — Es giebtanspruchsvolle Tugenden, welche ihre Höhe nur untermetaphysischen Voraussetzungen behaupten können, zumBeispiel Virginität; während sie an sich nicht viel be-deutet, als eine blasse unproductive Halbtugend, welcheüberdies geneigt macht, über die Mitmenschen rechtketzerrichterisch abzuurtheilen.
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Ist für etwas, zum Beispiel Eigenthum, Königthum,die Empfindung erst erregt, so wächst sie fort, je mehrman den Ursprung vergisst. Zuletzt redet man beisolchen Dingen von „Mysterien“, weil man sich einerüberschwänglichen Stärke der Empfindung bewusst ist,aber genau genommen keinen rechten Grund dafürangeben kann. Ernüchterung ist auch hier von Nöthen,aber eine ungeheure Quelle der Macht versiegt freilich.