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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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Es ist eine ernste Sache um einen entarteten Bil-dungsmenschen: und furchtbar berührt es uns, zu beob-achten, dass unsre gesammte gelehrte und journalistischeÖffentlichkeit das Zeichen dieser Entartung an sich trägt.Wie will man sonst unseren Gelehrten gerecht werden,wenn sie unverdrossen bei dem Werke der journalistischenVolksverführung zuschauen oder gar mithelfen, wieanders, wenn nicht durch die Annahme, dass ihre Ge-lehrsamkeit etwas Ähnliches für sie sein möge, was fürjene die Romanschreiberei, nämlich eine Flucht vor sichselbst, eine asketische Ertödtung ihres Bildungstriebs,eine desperate Vernichtung des Individuums. Ausunserer entarteten litterarischen Kunst ebensowohl als ausder ins Unsinnige anschwellenden Buchmacherei unsererGelehrten quillt der gleiche Seufzer hervor: ach, dasswir uns selbst vergessen könnten! Es gelingt nicht: dieErinnerung, durch ganze Berge darübergeschütteten ge-druckten Papiers nicht erstickt, sagt doch von Zeit zuZeit wieder:ein entarteter Bildungsmensch! Zur Bildunggeboren und zur Unbildung erzogen! Hülfloser Barbar,Sklave des Tages, an die Kette des Augenblicks gelegtund hungernd ewig hungernd!

O der elenden Verschuldet-Unschuldigen! Denn

ihnen fehlte etwas, was jedem von ihnen entgegenkommenmusste, eine wahre Bildungsinstitution, die ihnen Ziele,Meister, Methoden, Vorbilder, Genossen geben konnteund aus deren Innerem der kräftigende und erhebendeAnhauch des wahren deutschen Geistes auf sie zu strömte.So verkümmern sie in der Wildniss, so entarten sie zuFeinden jenes im Grunde ihnen innig verwandten Geistes;so häufen sie Schuld auf Schuld, schwerere als je eineandre Generation gehäuft hat, das Reine beschmutzend,das Heilige entweihend, das Falsche und Unechte prä-