fallen lässt und sich selbst zu verachten beginnt. Diesist der schuldlos Unschuldige: denn wer hat ihm dieunerträgliche Last aufgebürdet, allein zu stehen? Werhat ihn in einem Alter zur Selbständigkeit angereizt, indem Hingebung an grosse Führer und begeistertes Nach-wandeln auf der Bahn des Meisters gleichsam die natür-lichen und nächsten Bedürfnisse zu sein pflegen?
Es hat etwas Unheimliches, den Wirkungen nachzu-denken, zu denen die gewaltsame Unterdrückung so edlerBedürfnisse führen muss. Wer die gefährlichsten Fördererund Freunde jener von mir so gehassten Pseudoculturder Gegenwart in der Nähe und mit durchdringendemAuge mustert, findet nur zu häufig gerade'unter ihnensolche entartete und entgleiste Bildungsmenschen, durcheine innere Desperation in ein feindseliges Wüthen gegendie Cultur getrieben, zu der ihnen niemand den Zugangzeigen wollte. Es sind nicht die schlechtesten und diegeringsten, die wir dann als Journalisten und Zeitungs-schreiber, in der Metamorphose der Verzweiflung, wieder-finden; ja, der Geist gewisser, jetzt sehr gepflegter Litte-raturgattungen wäre geradezu zu charakterisiren alsdesperates Studententhum. Wie anders wäre zum Beispieljenes ehemals wohlbekannte „junge Deutschland“ mit seinembis zum Augenblick fortwuchernden Epigonenthum zuverstehen! Hier entdecken wir ein gleichsam wildge-wordenes Bildungsbedürfniss, welches sich endlich selbstbis zu dem. Schrei erhitzt: ich bin die Bildung! Dort,vor den Thoren der Gymnasien und der Universitäten,treibt sich die aus ihm entlaufene und sich nun souverängebärdende Cultur dieser Anstalten herum; freilich ohneihre Gelehrsamkeit: so dass zum Beispiel der Roman-schreiber Gutzkow am besten als Ebenbild des modernen,bereits litterarischen Gymnasiasten zu fassen wäre.