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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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Der Lehrer aber spricht zu diesen hörenden Studen-ten. Was er sonst denkt und thut, ist durch eine unge-heure Kluft von der Wahrnehmung des Studenten ab-geschieden, Häufig liest der Professor, während er spricht.Im allgemeinen will er möglichst viele solche Hörer haben,in der Noth begnügt er sich mit wenigen, fast nie miteinem. Ein redender Mund und sehr viele Ohren, mithalbsoviel schreibenden Händen das ist der äusser-liche akademische Apparat, das ist die in Thätigkeit ge-setzte Bildungsmaschine der Universität. Im übrigen istder Inhaber dieses Mundes von den Besitzern der vielenOhren getrennt und unabhängig: und diese doppelteSelbständigkeit preist man mit Hochgefühl alsakade-mische Freiheit. Übrigens kann der eine um dieseFreiheit noch zu erhöhen ungefähr reden, was er will,der andre ungefähr hören, was er will: nur dass hinterbeiden Gruppen in bescheidener Entfernung der Staatmit einer gewissen gespannten Aufsehermiene steht, umvon Zeit zu Zeit daran zu erinnern, dass er Zweck, Zielund Inbegriff der sonderbaren Sprech- und Hörprocedur sei.

Wir, denen es einmal gestattet sein muss, diesesüberraschende Phänomen nur als Bildungsinstitution zuberücksichtigen, berichten also dem forschenden Ausländer,dass das, was auf unsern Universitäten Bildung ist, ausdem Munde zum Ohre geht, dass alle Erziehung zurBildung, wie gesagt, nurakroamatisch ist. Da aberselbst das Hören und die Auswahl des zu Hörenden demakademisch freigesinnten Studenten zu selbständiger Ent-scheidung überlassen ist, da er andererseits allem Ge-hörten Glaubwürdigkeit und Auctorität absprechen kann,so fällt, in einem strengen Sinne, alle Erziehung zurBildung ihm selbst zu, und die durch das Gymnasiumzu erstrebende Selbständigkeit zeigt sich jetzt mit hoch-