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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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unerquicklich macht. Ja, meine Guten, ihr seid fertig,ihr seid ausgewachsen, die Natur hat eure Form zer-brochen, und eure Lehrer dürfen sich an euch weiden.Welche Freiheit, Bestimmtheit, Unbekümmertheit desUrtheils, welche Neuheit und Frische der Einsicht! Ihrsitzt zu Gericht und alle Culturen aller Zeiten laufendavon. Der wissenschaftliche Sinn ist entzündet undschlägt als Flamme aus euch heraus es hüte sichjeder, an euch nicht zu verbrennen! Nehme ich nun gleicheure Professoren noch hinzu, so bekomme ich dieselbeSelbständigkeit noch einmal, in einer kräftigen und art-muthigen Steigerung; nie war eine Zeit so reich an denschönsten Selbständigkeiten, nie hasste man so stark jedeSklaverei, auch freilich die Sklaverei der Erziehung undder Bildung.

Erlaubt mir aber, diese eure Selbständigkeit einmalan dem Maassstabe eben dieser Bildung zu messen undeure Universität nur als Bildungsanstalt in Betracht zuziehn. Wenn ein Ausländer unser Universitätswesenkennen lernen will, so fragt er zuerst mit Nachdruck:Wie hängt bei euch der Student mit der Universitätzusammen? Wir antworten:Durch das Ohr, als Hörer.Der Ausländer erstaunt.Nur durch das Ohr? fragter nochmals.Nur durch das Ohr, antworten wir nochmals.Der Student hört. Wenn er spricht, wenn er sieht, wenner gesellig ist, wenn er Künste treibt, kurz, wenn erlebt, ist er selbständig, das heisst unabhängig von derBildungsanstalt. Sehr häufig schreibt der Student zu-gleich, während er hört. Dies sind die Momente, in denener an der Nabelschnur der Universität hängt. Er kann sichwählen, was er hören will, er braucht nicht zu glauben,was er hört, er kann das Ohr schliessen, wenn er nichthören mag. Dies ist dieakroamatische Lehrmethode.